12 Säugetierarten mehr als vor 25 Jahren

Die bislang grösste Erhebung der Säugetiere in der Schweiz und in Liechtenstein ist abgeschlossen: 99 Arten wurden nachgewiesen, 12 mehr als bei der letzten Übersicht von 1995. Einige der Arten wie Wölfe oder Fischotter sind zurück, andere wie Walliser Spitzmäuse oder die Kryptische Fledermaus wurden neu entdeckt, berichten die Forschenden der Schweizerischen Gesellschaft für Wildtierbiologie im neu erschienenen «Atlas der Säugetiere». Basierend auf über 1 Million Beobachtungen dokumentiert das Buch das Vorkommen der Säugetiere so genau wie nie zuvor.

In Asthaufen, Trockensteinmauern oder anderen Kleinstrukturen findet das Hermelin Deckung gegen Feinde und ruhige Orte für die Jungenaufzucht.
Bild: Patricia Huguenin & Audrey Margand

Neben den Säugetierarten, die im Vergleich zu 1995 neu beobachtet werden konnten, haben die Expertinnen und Experten bei einigen Säugetierarten zudem eine deutliche Zunahme ihrer Verbreitung nachgewiesen. Dazu gehören Luchs, Wolf, Wildkatze, Biber oder Rothirsch. Viele kleine und mittelgrosse Säugetierarten dagegen sind unter starkem Druck. So sind über die Hälfte der Fledermäuse auf der Roten Liste. Ihre Lebensräume und ihre Nahrung, vor allem Insekten, schwinden; Lichtemissionen und Umweltgifte nehmen zu. «Die grösseren Säugetierarten haben heute ihren Platz in der Schweiz wieder gefunden, teilweise dank der Hilfe des Menschen. Mehr Aufmerksamkeit verdienen aber auch die kleinen, unscheinbaren und teils gefährdeten Arten. Hier besteht Handlungsbedarf.», sagt Roland Graf, Projektleiter der Schweizerischen Gesellschaft für Wildtierbiologie.

Über 1 Million Daten

Sichtungen, Beutetiere von Katzen, Spuren, Kot, Ultraschall, genetische Analysen und weitere Methoden – Säugetierexpertinnen und -experten diverser privater Organisationen und öffentlicher Stellen, sowie Tausende von Helferinnen und Helfern haben die Säugetiere, viele davon scheu und nachtaktiv, mit einigen Tricks nachgewiesen. So sind in der nationalen Datenbank info fauna 1'141'000 Beobachtungen seit dem Jahr 2000 zusammengekommen. Diese umfangreiche Datenbasis liefert das bislang genaueste Bild über das Vorkommen von Säugetieren in der Schweiz und Liechtenstein. «Die neuen Methoden und Netzwerke, gerade auch im Bereich Citizen Science, sind eine starke Basis für das künftige Monitoring der Säugetiere in der Schweiz», sagt Roland Graf.

Der «Atlas der Säugetiere» ist im Haupt Verlag erschienen, herausgegeben von der Schweizerischen Gesellschaft für Wildtierbiologie der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz. Über 70 Autorinnen und Autoren haben Texte geschrieben. Das reich illustrierte Buch beschreibt die 99 Säugetierarten, zeigt deren Verbreitung und behandelt zentrale Themen zur Lebensweise und zum Schutz der Fauna.

Das Projekt ist finanziell breit abgestützt. So haben alle Kantone und das Fürstentum Liechtenstein, sowie diverse Stiftungen und zwei Naturschutzorganisationen die Datensammlung oder die Entstehung des Buches unterstützt.

Schweizerische Gesellschaft für Wildtierbiologie (SGW) (Hrsg.) / Roland Graf (Hrsg.) / Claude Fischer (Hrsg.)
Atlas der Säugetiere – Schweiz und Liechtenstein
488 Seiten, rund 420 Fotos, 120 Karten und 160 Diagramme, gebunden,
sFr. 98.00 (UVP)
Haupt Verlag
ISBN 978-3-258-08178-6
ET: 8. März 2021

Der «Atlas der Säugetiere – Schweiz und Liechtenstein» erscheint zeitgleich auch auf Französisch (Atlas des mammifères de Suisse et du Liechtenstein, ISBN 978-3-258-08179-3) und Italienisch (Atlante dei mammiferi della Svizzera e del Liechtenstein, ISBN 978-3-258-08180-9).

  • Anzahl Säugetierarten pro Ordnung, die in der Schweiz und Liechtenstein wildlebend vorkommen
  • Der Luchs ist zurück im Jura und weiten Teilen der Voralpen und Alpen. Für das längerfristige Überleben sind die aktuellen Populationen aber noch zu klein. Eine länderübergreifende Verbindung der Populationen ist deshalb anzustreben.
  • Wie kaum eine andere Fledermausart meidet die Kleine Hufeisennase nächtlich beleuchtete Gebiete. Eine Zunahme der Lichtverschmutzung in Quartiernähe führt fast zwangsläufig zu ihrem Verschwinden.
  • Mit einer Kopf-Rumpflänge von rund 4.5 cm und einem Gewicht von gut 2 Gramm gilt die Etrusker Spitzmaus als kleinstes Säugetier der Welt. Ihr Vorkommen beschränkt sich auf die südlichsten Gebiete der Schweiz im Tessin.
  • Der Rothirsch hat sein Verbreitungsgebiet weiter ausgedehnt und ist heute auch im Tiefland vielerorts ganzjährig anzutreffen.
  • 160 Freiwillige untersuchten über 150 km-Quadrate verteilt in der ganzen Schweiz auf Igelvorkommen. Sie stellten jeweils 10 Spurentunnels auf und kontrollierten sie täglich über eine Dauer von fünf Tagen. Mit etwas Routine lassen sich diese Fussabdrücke auf dem Spurenpapier eindeutig dem Igel zuweisen.
  • Einheimische Stauden und Sträucher sowie Mut zu einer gewissen Unordnung: So kann die Bevölkerung einen Beitrag leisten, dass die einheimischen Säugetiere auch in direkter Nachbarschaft zum Menschen Raum zum Leben finden.
  • Anzahl Säugetierarten pro Ordnung, die in der Schweiz und Liechtenstein wildlebend vorkommenBild: Abbildung aus Graf & Fischer (Hrsg.; 2021)1/7
  • Der Luchs ist zurück im Jura und weiten Teilen der Voralpen und Alpen. Für das längerfristige Überleben sind die aktuellen Populationen aber noch zu klein. Eine länderübergreifende Verbindung der Populationen ist deshalb anzustreben.Bild: Thomas Marmet2/7
  • Wie kaum eine andere Fledermausart meidet die Kleine Hufeisennase nächtlich beleuchtete Gebiete. Eine Zunahme der Lichtverschmutzung in Quartiernähe führt fast zwangsläufig zu ihrem Verschwinden.Bild: René Güttinger | RGBlick3/7
  • Mit einer Kopf-Rumpflänge von rund 4.5 cm und einem Gewicht von gut 2 Gramm gilt die Etrusker Spitzmaus als kleinstes Säugetier der Welt. Ihr Vorkommen beschränkt sich auf die südlichsten Gebiete der Schweiz im Tessin.Bild: Jacques Gilliéron4/7
  • Der Rothirsch hat sein Verbreitungsgebiet weiter ausgedehnt und ist heute auch im Tiefland vielerorts ganzjährig anzutreffen.Bild: Markus Stähli5/7
  • 160 Freiwillige untersuchten über 150 km-Quadrate verteilt in der ganzen Schweiz auf Igelvorkommen. Sie stellten jeweils 10 Spurentunnels auf und kontrollierten sie täglich über eine Dauer von fünf Tagen. Mit etwas Routine lassen sich diese Fussabdrücke auf dem Spurenpapier eindeutig dem Igel zuweisen.Bild: Anouk Taucher6/7
  • Einheimische Stauden und Sträucher sowie Mut zu einer gewissen Unordnung: So kann die Bevölkerung einen Beitrag leisten, dass die einheimischen Säugetiere auch in direkter Nachbarschaft zum Menschen Raum zum Leben finden.Bild: fledermausschutz.ch7/7

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Roland Graf
ZHAW
Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen (ZHAW-IUNR)
Postfach 335
8820 Wädenswil

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