Anleitung zum Griff nach den Sternen - Prix Média und Prix Média Newcomer 2020

Mit einem interaktiven Erklärstück über Exoplaneten gewinnen Fabien Goubet und sein Team den Prix Média 2020. Die Preisjury zeigte sich beeindruckt von der Kreativität und der wissenschaftlichen Tiefe dieses Online-Beitrags zu Exoplaneten. Den Prix Média Newcomer erhält Michelle Isler für ihren Text zum Geschlechterverhältnis in der Berichterstattung über die Corona Pandemie. Mit grosser Gewandtheit und selbst erhobenen Daten rückt sie eine Realität aus dem Alltag in unser Bewusstsein.

Attraper une exoplanète, mode d’emploi
Bild: Le Temps

Wie erklärt man einem breiten Publikum Exoplaneten? Die Antwort liefert «Attraper une exoplanète, mode d’emploi». Für diesen Online-Beitrag von «Le Temps» werden Fabien Goubet und das am Projekt beteiligte Team - César Greppin (Web), Paul Ronga (Grafik) und Isabelle Boudjkhi (Video) - mit dem Prix Média 2020 ausgezeichnet. Es ist bezaubernd, wie anschaulich hier ein komplexer Sachverhalt dargestellt wird, befand die Jury und würdigt das kreative Miteinander von technischen, grafischen und sprachlichen Möglichkeiten. Mit dem multimedialen Erklärstück greift Fabien Goubet die Entdeckung der Schweizer Astrophysiker Michel Mayor und Didier Queloz auf, die 2019 mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet wurden. Dabei werden sechs astrophysische Methoden erklärt, die zur Entdeckung von Planeten ausserhalb unseres Sonnensystems führen. Mit ihrem Entscheid hat die Jury bewusst eine Lanze für ein „entrücktes“ Thema gebrochen, das die Menschheit nicht zuletzt auch vor philosophische Fragen stellt und damit weiterbringt. Goubet und sein Team haben sich gegen 33 Mitbewerberinnen und -bewerber vorrangig aus der Deutschschweiz und der Romandie durchgesetzt. Sie alle haben eindrückliche Geschichten aus verschiedensten Gebieten in Print- und Onlinemedien, Radio und Fernsehen erzählt. Hier geht’s zur Shortlist mit den vier besten Beiträgen.


Michelle Isler, die Gewinnerin des Prix Média Newcomer, analysiert in ihrem Beitrag die Rolle von Frauen in der Corona-Pandemie. Mit ihrem Artikel «Geschlechterverhältnis in der Krise?» zeigt sie auf, wie wenig Auftritte Frauen in der Berichterstattung zur Corona-Krise haben. So kamen sie im Beobachtungszeitraum in der Hauptausgabe der Tageschau nur gerade als Alltagspersonen gleichberechtigt zu Wort. Als Funktionsträgerin oder Expertin – Politikerin, Wissenschaftlerin oder Verteterin eines Verbands – wurden gerade mal 16% Frauen befragt. Die Jungjournalistin hat mit ihrer Arbeit eine ausserordentliche Situation genutzt, um in minutiöser Arbeit gesellschaftliche Fakten in Zahlen umzusetzen. Mit dem Geschlechterverhältnis in der Tagesschau greift sie das hochaktuelle Thema der Chancengleichheit von Frauen im Meinungsbildungsprozess auf und setzt es in Bezug zu sozialwissenschaftlicher Forschung. Der Beitrag ist spannend zu lesen, überrascht mit neuen Beobachtungen und schlägt den Bogen von der individuellen zur gesellschaftlichen Wahrnehmung. Der Beitrag von Michelle Isler ist einer von drei, der von der Jury bereits im Vorfeld mit einem Recherchebeitrag ausgezeichnet wurde. Nun hat das Publikum entschieden, ihr den Prix Média Newcomer zu verleihen – beim öffentlichen Online Voting konnte jede und jeder seine Stimme abgeben.


Die Akademien der Wissenschaften Schweiz fördern mit den Preisen den Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Dabei haben Journalistinnen und Journalisten eine entscheidende Vermittlerrolle, indem sie wissenschaftliche Themen kritisch beleuchten und für ein breites Publikum aufarbeiten. Mit dem Prix Média Newcomer fördern die Akademien zudem junge Talente, die ein Konzept mit kreativen und eigenständigen Ideen entwickeln und die Gunst des Publikums gewinnen.

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