Ein neues Schweizer Netzwerk zur Förderung der Reproduzierbarkeit wissenschaftlicher Studien

Im Juli 2020 wurde an Schweizer Hochschulen das Swiss Reproducibility Network gegründet. Ziel des Netzwerks ist die Förderung von Qualität und Reproduzierbarkeit wissenschaftlicher Studien in der Schweiz.

Young researcher in the lab
Image: pxhere

Das Swiss Reproducibility Network (SwissRN) ist Teil einer wachsenden internationalen Bewegung mit bereits existierenden oder sich im Aufbau befindenden Netzwerken in Grossbritannien, Deutschland, Australien und der Slowakei. «Viele wissenschaftliche Resultate, die veröffentlicht sind, erweisen sich im Nachhinein als nicht haltbar. Wir wollen Forschenden die nötigen Konzepte und Methoden vermitteln, um dem verstärkt vorzubeugen», sagt Leonhard Held, Professor für Biostatistik an der Universität Zürich und Co-Leiter von SwissRN).

Arbeitsgruppen an 11 Schweizer Hochschulen

In der Schweiz wurde das Netzwerk auf Initiative von Forscherinnen und Forschern der Universitäten Bern, Genf und Zürich ins Leben gerufen. Es wird von einem internationalen Expertengremium begleitet und umfasst derzeit lokale Arbeitsgruppen an 11 Schweizer Hochschulen. Die Universität Zürich ist dem Netzwerk als erste Institution formal beigetreten und stellt die Koordinationsstelle. Auch die Universität Bern ist bereits institutionelles Mitglied von SwissRN. Unterstützt wird SwissRN unter anderem vom Schweizerischen Nationalfonds und von den Akademien der Wissenschaften Schweiz.

«Für maximale Wirkung müssen wir unsere Bemühungen zwischen Forschenden aller empirischen Disziplinen und in allen Stadien ihrer Karriere koordinieren. Und es braucht auch Input von anderen Akteuren, nicht nur den Forschenden selber, z. B. Forschungsinstitutionen, Forschungsfinanzierer, Entscheidungsträger und NGOs», sagt Evie Vergauwe, Professorin für Psychologie an der Universität Genf.

Inter- und transdisziplinärer Dialog

Im Vordergrund der Aktivitäten steht die Schaffung von Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten, die Verbreitung neuer Erkenntnisse und die wissenschaftliche Begleitung von Massnahmen zur Verbesserung der Forschungspraxis. Das SwissRN strebt eine Beteiligung aller wissenschaftlichen Disziplinen an und fördert den inter- und transdisziplinären Dialog.

«Qualität und Integrität der Forschung sind in hohem Masse Ausdruck der Forschungskultur, die von den Institutionen geprägt und von den Forschenden gelebt wird. Mit der Netzwerkstruktur und lokalen Gruppen von Forschenden versuchen wir die Forschungskultur bottom-up von den Forschenden her positiv zu beeinflussen», sagt Hanno Würbel, Professor für Tierschutz der Universität Bern.

«Wir sind überzeugt, dass Reproduzierbarkeit ein fundamentaler Aspekt der Wissenschaftskultur ist und schätzen deshalb den interdisziplinären und schweizweiten Ansatz des SwissRN sehr» sagt Marcel Tanner, Präsident der Akademien der Wissenschaften Schweiz.

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