Naturwissenschaftliche Sammlungen besser erschliessen

Mit dem Schweizer Netzwerk Naturhistorische Sammlungen (SwissCollNet) legte die SCNAT den Grundstein, um Fundstücke aus naturwissenschaftlichen Sammlungen virtuell zu vernetzen und für die Forschung besser zugänglich zu machen. 2021 bis 2024 stehen für den Aufbau 12,37 Millionen Franken vom Bund zur Verfügung.

Pia Stieger von Andres Jordi
Image: Andres Jordi

Pia Stieger, warum war 2020 für das Schweizer Netzwerk Naturhistorische Sammlungen (SwissCollNet) ein erfolgreiches Jahr?

Schweizer Naturmuseen, Botanische Gärten, Universitäten und weitere Bildungseinrichtungen besitzen Sammlungen mit über 60 Millionen Exemplaren von Tieren, Pilzen, Pflanzen, Gesteinen und Fossilien. Nur 17 Prozent der Exemplare sind digital erfasst und einfach für die Forschung zugänglich. Das will unsere Initiative verbessern. Die strategischen Überlegungen und das methodische Wissen liegen nun in einem kurzen Bericht und in einem umfassenden Handbuch vor. Einen grossen Gewinn dieser Arbeit sehe ich auch in den Beziehungen, die sich zwischen Forschenden, Kuratorinnen und Kuratoren und den Institutionen gefestigt haben. Schliesslich sprach der Bund 2020 die notwendigen Mittel von 12,37 Millionen Franken, um diese grossartige Idee auch umsetzen zu können.

Was hat zum Erfolg geführt?

Das Rezept war einerseits sicher der Bottom-up-Ansatz. Weit über ein Jahrzehnt zurück liegen die Bemühungen einer Taskforce «Systematik» und das Zusammentragen erster Metadaten der Sammlungsbestände. Danach bildete der Austausch zwischen den Akademien und dem Verband der naturwissenschaftlichen Museen und Sammlungen der Schweiz und Liechtenstein, der Swiss Systematics Society und der Global Biodiversity Information Facility Schweiz das Fundament.

Und andererseits?

Hilfreich waren der Austausch von Christoph Scheidegger, dem Präsidenten der Steuerungsgruppe von SwissCollNet, und von Jürg Pfister, dem SCNAT-Generalsekretär, mit politischen Entscheidungsträgern. Die SCNAT als Brückenbauerin zwischen Wissenschaft und Gesellschaft brachte ihre Erfahrungen ein. Zudem waren die Parlamentarierinnen und Parlamentarier für die Thematik sensibilisiert. Der gewaltige Fundus an Daten könne helfen, besser mit Schädlingen, Umweltgiften oder der Klima- und Biodiversitätskrise umzugehen, wie Christoph Scheidegger neulich sagte. Naturhistorische Sammlungen sind ein wichtiger Bestandteil für problemorientierte Lösungen und nicht mehr nur von rein akademischem Wert.

Wie setzen Sie die Mittel ein?

2020 stand der Austausch von Best-practice-Erfahrungen in den Schweizer Sammlungsinstitutionen im Fokus. Immer berücksichtigt wurden dabei auch die internationalen Entwicklungen. Dank der nationalen Vernetzung können wir den Anschluss an grössere, internationale Netzwerke sichern und davon profitieren. Die Kontakte sind gut. Unsere taxonomische Expertise aber auch das Wissen aus den Digitalisierungsbestrebungen verschafft der Schweiz gute Voraussetzungen.

Wo liegen die Herausforderungen?

Die Bundesmittel sind an die Bedingung geknüpft, dass die Sammlungsinstitutionen dieselbe Summe einbringen. Wir sind aber zuversichtlich, dass wir den Aufbau zusammen mit der Forderung nach einer virtuellen naturhistorischen Sammlung der Schweiz in vier Jahren weit voranbringen können. Ich bin sehr motiviert, gemeinsam ein tolles Projekt reissen zu können.

Das Interview führte This Rutishauser

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Dr. Pia Stieger Cecchini
SCNAT
Swiss natural history collections network (SwissCollNet)
House of Academies
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