Eine neue Ära für naturhistorische Sammlungen in der Schweiz
Die Initiative SwissCollnet, die sich für die bessere Erschliessung der naturhistorischen Sammlungen der Schweiz einsetzt, hat 2025 ein öffentliches Webportal aufgebaut. Die während fünf Jahren geschaffene Infrastruktur gilt es nun in die Zukunft zu führen.

Diesen und weitere Artikel finden Sie im Jahresbericht 2025 der SCNAT.
Mit mehr als 60 Millionen archivierten biologischen und geologischen Objekten verfügt die Schweiz über ein aussergewöhnliches Kulturerbe. Die naturhistorischen Sammlungen dokumentieren die Naturgeschichte des Landes und der ganzen Welt über mehr als dreihundert Jahre. Aber wie kann man sie Forscherinnen und Forscher, Behörden und Institutionen besser zugänglich machen?
Dank zahlreicher institutions- und kantonsübergreifender Projekte wurden im Rahmen des Schweizer Netzwerks Naturhistorischer Sammlungen (SwissCollNet) über eine Million Objekte digitalisiert. Das Ziel der Initiative bestand darin, die Daten zu zentralisieren und einfach zugänglich zu machen. Dies ist nun mit dem Aufbau einer Infrastruktur in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Knotenpunkt der Global Biodiversity Information Facility (GBIF) gelungen: Ein Datenaggregator führt die Daten aus den Schweizer Sammlungen zusammen und standardisiert und veröffentlicht sie auf dem Webportal Swiss Natural History Collections (SwissNatColl). Dieses umfasst bereits Daten zu 1,7 Millionen Objekten. Die Zahl wächst kontinuierlich.
Teil eines globalen Datennetzwerks
Diese neue Schweizer Infrastruktur ist Teil eines internationalen Netzwerks von Sammlungsdaten, das laufend grösser wird. So investieren die Europäische Union, die Vereinigten Staaten, das Vereinigte Königreich und Australien, um ihre Daten nach einheitlichen Standards zugänglich zu machen. Die Schweiz hat sich hier zwar spät eingebracht, hat sich aber dank SwissCollNet inzwischen als führende Akteurin in bestimmten Bereichen der Digitalisierung von Sammlungen etabliert.
Im Rahmen der Initiative haben die naturhistorischen Institutionen der Schweiz zudem eine Strategie für ihre Sammlungen entwickelt. Diese ist auf zehn Jahre ausgelegt und für die Schweiz die erste ihrer Art. Die Dynamik und Begeisterung, die bei der Erarbeitung spürbar war, zeigt die Aufbruchsstimmung des Netzwerks.
Langfristiger Betrieb sicherstellen
Auf der Grundlage all dieser Ergebnisse bereitet SwissCollNet nun die Zukunft der Initiative vor. Die Herausforderung ist gross, denn es geht darum, das Netzwerk und seine Infrastruktur durch die Schaffung einer operativen Plattform zu erhalten. Diese soll von drei Partnern getragen werden: der SCNAT, dem Verband der naturwissenschaftlichen Museen und Sammlungen (musnatcoll.ch) und dem Schweizerischen Informationszentrum für Arten (InfoSpecies). Die Plattform ist ein Pfeiler einer umfassenderen Vision, die darauf abzielt, die Schweiz als führende Nation zu positionieren, wenn es darum geht, die naturhistorischen Sammlungen im Dienste der Wissenschaft und der Gesellschaft zugänglich zu machen und zu nutzen. SwissCollNet hat dazu die Voraussetzungen geschaften und die strategische Ausrichtung für den Aufbau dieser Plattform festgelegt. Der entscheidende Schritt hängt nun vom Engagement der einzelnen Partner und von der Mobilisierung der finanziellen Mittel ab, für die Umsetzung erforderlich sind.
Gil Oliveira


