Unerlässlich, aber heikel: Wie Forschung in Konfliktgebieten gelingt

Forschung zur Waldnutzung in Madagaskar, zur Gesellschaft in Afghanistan oder zu epidemischem Fieber in Westafrika – wie sich Forschende in Konfliktgebieten verhalten sollen, zeigen die neuen «Richtlinien für konfliktsensitive Forschung» der Kommission für Forschungspartnerschaften mit Entwicklungsländern der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz. Möchte die Wissenschaft einen Beitrag zu den globalen Herausforderungen leisten, muss sie sich auch in fragilen und von Konflikten geprägten Gegenden bewegen. Die Richtlinien sollen dazu beitragen, dass Forschende in einem Konfliktgebiet einen positiven Beitrag leisten können – und gleichzeitig Sicherheitsrisiken für die eigene Forschung reduzieren.

Step 2: Assess the assumptions and political sensitivities of your research design
Bild: studio KO

So wichtig Forschung in Konfliktgebieten ist, so heikel ist sie auch. Forschungsmethoden wie Interviews oder Beobachtungen können in Konfliktgebieten bei Bevölkerung und Behörden Misstrauen auslösen. Bei Befragungen können Opfer erneut traumatisiert und Risiken ausgesetzt werden. Die Publikation von Forschungsdaten kann Konflikte verschärfen, wenn diese z.B. Ungleichheiten aufzeigen. Gewalttätige Gruppen können Forschungsdaten missbrauchen, Gelder können monopolisiert werden und korrupte Systeme stützen. «Forschende müssen die Situation gut kennen, Methoden sorgfältig wählen und die Kommunikation anpassen. Richtig durchgeführt, können Forschungsprojekte durchaus zur Entspannung eines Konflikts beitragen, indem sie innovative Lösungen entwickeln und Zugang zu Wissen ermöglichen, Akteure vernetzen und EntscheidungsträgerInnen informieren», sagt Ursina Bentele von swisspeace und Hauptautorin der Richtlinien.

Damit Forschung in einem Konfliktgebiet möglich ist und sich positiv auswirken kann, ist eine konfliktsensitive Vorgehensweise zentral. Die Richtlinien wenden sich damit an alle Beteiligten – von den Geldgebern über die Forschungsassistenten zu den Autorinnen der Forschung. In neun Schritten zeigen die Richtlinien auf, wie der Konfliktkontext bei der Vorbereitung, Datenerhebung und Publikation berücksichtigt werden kann.

Die Kommission für Forschungspartnerschaften mit Entwicklungsländern (KFPE) hat diese «Richtlinien für konfliktsensitive Forschung» zusammen mit Personen aus Forschung, Forschungsförderung und Konfliktforschung erarbeitet.

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