CH-QUAT Exkursion 2025
Ticino und Norditalien
Organisiert von: Marc Lütscher (SISKA)

Mit Beiträgen von Cristiano Scapozza (SUPSI) und Sarah Kamleitner (Universität Lausanne)
Vom 19.-20. September 2025 fand die alljährliche CH-QUAT Exkursion statt. Dieses Jahr widmeten wir uns der quartären Geschichte des Tessins und Norditaliens. Die Exkursion startete am Freitagabend mit einem Spaziergang durch Capo Lago und Riva San Vitale. Dort gab uns Cristian Scapozza eine Einführung in die lokale Geologie und einen Überblick über die verschiedenen Gletscher und deren komplexes Zusammenspiel, welche das Gebiet um den Lago di Lugano während der Eiszeiten prägten. In diesem Zusammenhang diskutierten wir auch die Entwicklung dessen Seespiegels. Als Zeitzeugen eines früheren Seespiegels funktioniert heute das Baptisterium in Riva San Vitale, welches merklich tiefer liegt als die heutige Überschwemmungsebene. Den Abend liessen wir bei einem geselligen Abendessen in Capo Lago ausklingen.
Am nächsten Tag ging es weiter nach Norditalien, wo wir den Spuren des Letzteiszeitlichen Maximums (LGM) folgten. Auf der Alpe Cana stellte Sarah Kamleitner ihre Studie zum Ticino-Toce Gletscher vor. Dort schauten wir uns fünf Seitenmoränen an, welche mittels kosmogener Nuklide datiert wurden. Diese Chronologie lieferte spannende Einblicke in die Dynamik und Fluktuationen des Ticino-Toce Gletschers während des Letzteiszeitlichen Maximums. Zudem erörterten wir die verschiedenen Einzugsgebiete und Fliessrichtungen des Gletschers, welche basierend auf der Lithologie von Erratischen Blöcken eruiert wurde. Über Stresa ging es zurück ins Tessin nach Ronco sopra Ascona. Mit Blick über den Lago Maggiore erläuterte uns Cristian Scapozza, wie sich diese Landschaft mit den Gletschervorstössen und deren Rückzügen verändert hat. Ganz in der Nähe betrachten wir die vom Gletscher geschliffenen Felsen hoch über dem See. Der Tag endete mit einem gemütlichen Abendessen mit angeregten Gesprächen.
Der letzte Exkursionstag führte uns ins Bleniotal. Hier nahm uns Cristian Scapozza mit auf eine historische Wanderung. Die Wanderung begann bei der Kirche in Malvaglia, wo die Inschrift «exitus lac maioris» zu lesen war. Dies gab bereits einen Hinweis auf das Hauptthema der Wanderung. Der Weg führte uns weiter an etlichen heute noch erhaltenen Burgen und Festungen vorbei. Dies erlaubte uns einen Überblick über die verschiedenen Phasen der Siedlungsgeschichte des Bleniotals. Einen Einfluss auf die Bevölkerung des Bleniotals hatte ebenso ein See, welcher durch einen Bergsturz im Jahre um ca. 1513 aufgestaut wurde und etliche Dörfer unter Wasser setzte. Der Seespiegel zu dieser Zeit wurde in Semione festgehalten. Im Mai 1515 brach der Damm und die daraus folgende Flut (Buzza di Biasca) zerstörte Gebäude und Bauwerke im Umland und forderte etliche Menschenleben. Zum Abschluss der Exkursion kehrten wir für das Mittagessen in ein typisches Tessiner Grotto ein. Mit vielen neuen und spannenden Eindrücken aus Geologie, Archäologie und Geschichte im Gepäck machten wir uns auf den Heimweg.

