Neue Schwebfliegen-Art im Internet entdeckt dank Hobbyforscher
Monoceromyia ndidiae ist die «Neue Art des Jahres 2026» der Swiss Systematics Society. Ihre besondere Entdeckungsgeschichte zeigt, wie wichtig Bürgerwissenschaft ist.

Schätzungen zufolge warten noch fast acht Millionen Tier-, Pilz- und Pflanzenarten darauf, entdeckt zu werden. Doch wie werden diese unbekannten Arten gefunden? Die Arbeit von Taxonominnen und Taxonomen bleibt zwar unverzichtbar, doch auch naturbegeisterte Privatpersonen und Citizen-Science-Netzwerke spielen heute eine wichtige Rolle. Ein Beispiel liefert die Entdeckung einer Fliege, die nun von der Swiss Systematics Society zur «New Species of the Year 2026» gekürt wurde.
Jahrelang unbekannt im Internet
Die Geschichte beginnt in der Dominikanischen Republik, wo Insektenliebhaberinnen und -liebhaber ihre Fotos auf der Online-Plattform iNaturalist teilen. Eines dieser Bilder erregte die Aufmerksamkeit eines Entomologen, dem die ungewöhnliche Morphologie der abgebildeten Fliege auffiel. Er teilte das Bild mit anderen Fachleuten. Niemand wusste, um welche Art es sich handelt. Schliesslich gelang es auf einer Feldexpedition im Nationalpark Valle Nuevo, in einer Lichtfalle ein Exemplar zu fangen. Labor-Untersuchungen an der Universität Lausanne zeigten, dass es sich um eine bislang unbekannte Art handelte. Die Forschenden haben sie nun wissenschaftlich beschrieben und auf den Namen Monoceromyia ndidiae getauft.
Als Wespe getarnt
Die Art gehört zur Familie der Schwebfliegen, von denen viele durch ihre gelb-orange Färbung Wespen nachahmen. Diese Tarnung schützt sie vor Fressfeinden, obwohl sie völlig harmlos sind und nicht stechen können.
In der Schweiz sind rund 500 Schwebfliegen-Arten bekannt. Neben ihrem faszinierenden Aussehen sind sie auch äusserst nützliche Insekten: Die Larven vieler Arten ernähren sich von Blattläusen, während die erwachsenen Tiere wichtige Bestäuber sind. Zudem sind Schwebfliegen Biodiversitätsindikatoren, deren Vorkommen auf gesunde Ökosysteme hindeutet.
Kontakt
Dr Alice Cibois
Muséum d’histoire naturelle de Genève (MHNG)
route de Malagnou 1
1208 Genf


