Einordnung der aktuellen Hitzewelle: ungewöhnlich lange Dauer und früher Zeitpunkt
Die aktuelle Hitzewelle in der Schweiz zeichnet sich durch ihre aussergewöhnliche Länge und anhaltend hohe Temperaturen aus. Bereits seit Mitte Juni folgen Hitzetage ohne Unterbruch, mancherorts dürfte es zu einer Rekordserie kommen. Gleichzeitig werden voraussichtlich auch die mittleren Höchsttemperaturen über zwei Wochen im oder nahe am Rekordbereich liegen.
Während der aktuellen Hitzewelle wurden bisher an einigen Stationen neue Juni-Rekorde bei den Tageshöchsttemperaturen verzeichnet. Rekorde fielen bis zum 22. Juni 2026 besonders in der Nordwest- und Westschweiz. Beispiele sind Bern/Zollikofen mit 34,5 °C am 22. Juni (bisheriger Rekord: 34,4 °C, Juni 2019), Pully mit 35,5 °C und Payerne mit 36,1 °C (Pully bisher 33,3 °C von 2019, Payerne bisher 34,9 °C von 2022), Aigle mit 34,5 °C (bisher 32,7 °C, Juni 2013) oder Buchs/Aarau mit 36,1 °C (bisher 35,9 °C, Juni 2022). Weitere Stationen mit neuen Junihöchstwerten in der aktuellen Hitzewelle sind Hallau, Rünenberg, Delémont, Schaffhausen, Wynau und Visp. Noch aussergewöhnlicher an der aktuellen Hitzewelle sind jedoch ihre Dauer und ihre Intensität über einen längeren Zeitraum.
Bereits im Juni eine rekordverdächtige Dauer
Den ersten Hitzetag (Tageshöchstwerten von 30 °C und mehr) gab es in den tiefen Lagen der Nord- und Südschweiz am 17. Juni. Die Serie an Hitzetagen ist seither ungebrochen und wird voraussichtlich an vielen Orten bis mindestens am Montag, den 29. Juni, andauern (13 Hitzetagen in Folge).
In der rund 160-jährigen Messreihe in Bern/Zollikofen wäre dies die bisher längste Serie an Hitzetagen. Der Rekord in Zürich/Fluntern könnte ebenfalls egalisiert oder übertroffen werden. An beiden Stationen datiert der bisherige Rekord aus dem Hitzesommer 1947. Zudem ist das frühe Auftreten der aktuellen Hitzewelle bemerkenswert. Sie tritt rund einen Monat vor der klimatologisch wärmsten Zeit des Jahres auf.
Intensität der Hitze über 14 Tage
Auch die mittleren Höchsttemperaturen über 14 Tage dürften bis Anfang nächster Woche im Rekordbereich zu liegen kommen. Vielerorts liegt der bisherige Rekord im Bereich von 32 bis knapp über 35 °C.
Die genaue Intensität der aktuellen Hitzewelle steht noch nicht abschliessend fest. Das 14-tägige Mittel der Höchsttemperaturen wird jedoch mit Sicherheit deutlich über 30 °C liegen. Vielerorts dürfte es sich um eine der drei heissesten Hitzewellen dieser Dauer handeln. Auch neue Stationsrekorde sind möglich.
Klimatologische Einordnung ins Sommerhalbjahr
Wir befinden uns am Ende der ersten Hälfte des Sommerhalbjahres (April bis September), die Monate Juli, August und September stehen noch bevor. Dennoch lassen sich bereits erste klimatologische Schlüsse des bisherigen Sommerhalbjahres ziehen. Als klimatologische Referenz dient zum einen die Periode 1991-2020. Aufgrund der starken Erwärmung in den letzten Jahren sind Hitzetage jedoch deutlich wahrscheinlicher geworden, als es diese Referenz zeigt. Deshalb verwenden wir zum anderen auch eine Schätzung der aktuellen Klimanorm. Davon abweichende Werte zeigen vor allem die Besonderheit dieses Jahres und kaum Effekte der Klimaerwärmung.
Unter Berücksichtigung der aktuellen Prognose werden im aktuellen Sommerhalbjahr bis zum 29. Juni in tiefen Lagen voraussichtlich etwa 17 Hitzetage registriert. Bereits jetzt steht fest, dass das gesamte Sommerhalbjahr an vielen Stationen mehr Hitzetage aufweisen wird als im Durchschnitt der Referenzperiode 1991-2020. Alle weiteren Hitzetage von Juli bis September 2026 werden die diesbezüglich bereits überdurchschnittliche Hitze in diesem Jahr noch verstärken.


