Neuer Bericht Weltbiodiversitätsrat zeigt, wie naturverträgliches Wirtschaften möglich wäre
Unternehmen sind in hohem Mass von Biodiversität und Ökosystemleistungen abhängig und beeinflussen diese lokal und entlang globaler Wertschöpfungsketten. Dies zeigt der am Montag veröffentlichte Bericht des Weltbiodiversitätsrates. Demnach sind die heutigen wirtschaftlichen Aktivitäten und politischen Rahmenbedingungen nicht mit dem Erhalt der Biodiversität vereinbar. Die 80 beteiligten Expertinnen und Experten aus 35 Ländern zeigen auf, wie sich systemische Risiken reduzieren lassen und naturverträgliches Wirtschaften möglich wird.

Seit 1992 hat das vom Menschen geschaffene Kapital (z. B. Gebäude und Maschinen) im Durchschnitt um etwa 100 Prozent pro Kopf zugenommen, während die Bestände an Naturkapital (Ökosysteme und natürliche Ressourcen) um fast 40 Prozent zurückgegangen sind. «Die Art und Weise, wie wir heute Geschäfte machen, kostet uns die Erde, aber wir haben die Mittel, um den Kurs zu ändern», sagt Michal Kulak, koordinierender Autor des Berichts.
Schädliche Finanzströme 33-mal höher als fördernde
Im Jahr 2023 beliefen sich die globalen öffentlichen und privaten Finanzströme mit direkten negativen Auswirkungen auf die Natur auf schätzungsweise 7’300 Milliarden US-Dollar. Davon entfallen rund zwei Drittel (4’900 Milliarden US-Dollar) auf private Finanzmittel. Die öffentlichen Ausgaben für umweltschädliche Subventionen belaufen sich auf etwa 2'400 Milliarden US-Dollar. Im Vergleich dazu flossen im Jahr 2023 nur etwa 220 Milliarden US-Dollar an öffentlichen und privaten Finanzmitteln in Aktivitäten, die zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung der biologischen Vielfalt beitragen.
Wirtschaft braucht Güter und Dienstleistungen der Natur
Die Wirtschaft ist stark von Gütern und Dienstleistungen der Natur abhängig. Dazu gehören Rohstoffe, Energie, Wasserregulierung, die Bestäubung, der biologische Abbau von Abfällen und vieles mehr. Die von der Schweiz mitgetragene, weltweite ENCORE-Datenbank liefert qualitative Bewertungen der sektoralen Abhängigkeiten. Diese Analysen zeigen eine hohe Abhängigkeit für die Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Fischerei und Aquakultur sowie für verwandte Sektoren (Lebensmittel, Getränke und Tabak). Auch für den Bausektor, die Versorgungswirtschaft, die Kommunikationsbranche, die Energiewirtschaft, die Industrie und die Grundstoffindustrie sind die Abhängigkeiten erheblich.
Wirtschaftliches Handeln in Einklang mit der Biodiversität bringen
Der Bericht zeigt auf, wie Unternehmen, staatliche Akteure, der Finanzsektor und die Zivilgesellschaft ein förderliches Umfeld für naturverträgliches wirtschaftliches Handeln schaffen können. Der Bericht liefert viele konkrete Vorschläge für verschiedene Akteure. So können Regierungen schädliche Subventionen abschaffen oder reformieren. Auch können sie Unternehmen dazu verpflichten, Infos und Berichte über Risiken, Abhängigkeiten und Auswirkungen im Zusammenhang mit der biologischen Vielfalt zu veröffentlichen. Zentralbanken können Auswirkungs- und Abhängigkeitsfaktoren im Zusammenhang mit der biologischen Vielfalt in Richtlinien für die Vergabe von Krediten, Investitionen und Versicherungsprodukten integrieren und mit der Zivilgesellschaft zusammenarbeiten, um die Transparenz und Rechenschaftspflicht bei Finanzaktivitäten zu verbessern und die Finanzierung schädlicher Handlungen zu vermeiden. Unternehmen können sich selbst ambitionierte Ziele setzen und ihren Einfluss auf, aber auch die Abhängigkeit von der Biodiversität messen.
Naturbezogene Risiken beeinflussen wirtschaftliche Stabilität der Schweiz wesentlich
Die Schweiz ist als stark vernetzter Wirtschafts- und Finanzstandort in besonderem Mass von stabilen Ökosystemen im In- und Ausland abhängig, während ein grosser Teil ihrer Biodiversitätsauswirkungen entlang internationaler Liefer- und Wertschöpfungsketten entsteht. Naturbezogene Risiken können sich dadurch direkt auf wirtschaftliche Stabilität, Finanzmärkte und die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Schweiz auswirken. Der Bericht des Weltbiodiversitätsrates liefert eine wissenschaftlich fundierte Grundlage, um politische Rahmenbedingungen, unternehmerische Strategien und Finanzentscheide zum Nutzen von Wirtschaft und Biodiversität auszurichten und besser mit den Zielen des Kunming-Montréal Global Biodiversity Frameworks der Biodiversitätskonvention und der nationalen Biodiversitätsstrategie der Schweiz in Einklang zu bringen.
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Dr Dorothea Hug Peter
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