Häufige Fragen
In den Whitepapers beschreiben die Schweizer Forschungsgemeinschaften ihre künftigen Bedürfnisse für grosse Forschungsinfrastrukturen. Sie sind eine wichtige Planungsgrundlage im vierjährigen Prozess, der zur Schweizer Roadmap für Forschungsinfrastrukturen des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) führt. Diese fliesst in die BFI-Botschaft des Bundesrats zuhanden des Parlaments ein. Die Community White Papers hiessen ursprünglich fachspezifische Roadmaps, wurden aber 2024 umbenannt, um eine Verwechslung mit der Schweizer Roadmap für Forschungsinfrastrukturen zu vermeiden.
2021–2022 wurden sieben Community White Papers (damals fachspezifische Roadmaps genannt) für Forschungsinfrastrukturen veröffentlicht. Sie wurden mit Unterstützung der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz (SCNAT) von den Forschungsgemeinschaften der Biologie, Chemie, Geowissenschaften, Teilchenphysik, Astronomie, Photonenforschung und Neutronenforschung verfasst. Ende 2024 werden die sieben White Papers für die Schweizer Roadmap für Forschungsinfrastrukturen 2027 für die BFI-Botschaft 2029–2032 aktualisiert.
Ja, das erste White Paper wurde 2004 vom neu gegründeten Swiss Institute of Particle Physics (CHIPP) veröffentlicht. Hauptziel war es, dem SBFI die erwartete Beteiligung von Schweizer Forschenden an der Entwicklung von Instrumenten für den Large Hadron Collider (LHC) am CERN aufzuzeigen. Anhand dieses Beispiels erarbeitete die Astronomie-Community 2007 ein eigenes White Paper. 2011 wurde das White Paper Teilchenphysik und 2015 das White Paper Astronomie aktualisiert. 2019 wurde ein ähnliches White Paper zur Schweizer Weltraumforschung veröffentlicht.
Seit 2020 koordiniert die SCNAT im Auftrag des SBFI die Erarbeitung der White Papers. Die SCNAT nutzt ihr Netzwerk von Mitgliedsgesellschaften und Kommissionen, um Forschende für die Mitarbeit zu rekrutieren. Dies stellt die Vielfalt der teilnehmenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sicher und sorgt für eine ausgewogene Vertretung der verschiedenen Wissenschaftsbereiche und Hochschulen. Die SCNAT legt den Umfang, den Zeitplan und den Rahmen fest und unterstützt bei der Koordination, beim Verfassen und beim Layout. Sie kümmert sich um die Veröffentlichung, den Druck und die Verteilung.
Die White Papers sind Bottom-up-Inputs der Forschungsgemeinschaften zu ihren Infrastrukturbedürfnissen. Sie dienen der strategischen Planung der Hochschulen im Hinblick auf die Entwicklung grosser Forschungsinfrastrukturen von nationaler Bedeutung. Vor der Veröffentlichung stellt die SCNAT Vertreterinnen und Vertretern der verschiedenen Forschungsinstitutionen die Inhalte der Community White Papers vor. Ziel ist es, die strategische Planung der Hochschulen so früh wie möglich auf die Bedürfnisse der Gemeinschaft abzustimmen.
Nein. Um in die Schweizer Roadmap für Forschungsinfrastrukturen aufgenommen zu werden, müssen Infrastrukturprojekte einen vom SBFI definierten Prozess durchlaufen.
Der vom SBFI zusammen mit den Akteurinnen und Akteuren des BFI-Bereichs (swissuniversities, ETH-Rat, SNF und SCNAT) definierte Prozess zur Erstellung der Schweizer Roadmap 2027 wird derzeit überarbeitet (Stand Juni 2024). Diskussionen auf höchster Ebene haben ergeben, dass der Prozess der Roadmap 2023 (siehe Leitfaden) optimiert werden sollte, aber aus Zeitgründen nicht grundlegend geändert werden kann. Fazit: Die Hochschulen und Forschungsanstalten des ETH-Bereichs können neue Forschungsinfrastrukturen und grössere Erneuerungen bestehender Infrastrukturen vorschlagen. Diese Projekte werden wissenschaftlich evaluiert. Positiv bewertete Infrastrukturprojekte werden in die Roadmap 2027 aufgenommen. Weitere Details zum Verfahren werden vor dem Start des Prozesses (Anfang 2025) kommuniziert.
Es gibt zwei Arten von Schweizer Beteiligungen an internationalen Einrichtungen: im Rahmen internationaler Forschungsinfrastruktur-Netzwerke innerhalb des European Research Infrastructure Consortium (ERIC) und in Form einer Zusammenarbeit mit internationalen Forschungsorganisationen. Gesuche für eine Schweizer Beteiligung an internationalen Infrastrukturen werden beim SBFI eingereicht. Dieses kann eine Beteiligung genehmigen, wenn eine Infrastruktur für die Schweizer Forschung wichtig oder einen Mehrwert darstellt. Der Prozess kann mehrere Jahre dauern. Eine Interessengemeinschaft muss eine genügend hohe Relevanz haben, so dass eine Beteiligung langfristig von Vorteil ist. Eine klare Aussage in den Community White Papers zu den Bedürfnissen und Vorteilen trägt dazu bei, einen solchen Beteiligungsprozess in Gang zu setzen.
Neue nationale Infrastrukturen oder grössere Ausbauten müssen die Trägerinstitutionen selber finanzieren. Für die Förderperiode 2025–2028 können die kantonalen Universitäten, die teure Infrastrukturen betreiben, nach Art. 47, Absatz 3 des Hochschulförderungs- und Koordinationsgesetz (HFKG) eine Bundesfinanzierung von bis zu 50 Prozent der Kosten beantragen. Es ist derzeit (Stand Juni 2024) noch unklar wie hoch die Finanzierung ausfallen wird, und ob die Finanzierung für die Periode 2029–2032 weitergeführt wird. Die Finanzierung von Schweizer Beteiligungen an internationalen Infrastrukturen ist in der BFI-Botschaft enthalten und wird, sofern vom Bundesrat genehmigt, vom SBFI übernommen.
Kontakt
Dr Marc Türler
SCNAT
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